Unter der Lupe: Ausschlusskriterium Agrochemie

Viele nachhaltig denkende Menschen stehen Agrochemikalien sehr kritisch gegenüber. Manche von ihnen möchten die Hersteller von Agrochemie aus ihren Geldanlagen ausgeschlossen sehen, andere wiederum kennen nicht den Grund, weshalb es überhaupt als mögliches Ausschlusskriterium angeboten wird.

Die Belastung für die Menschen, Tiere und Natur durch Agrochemikalien ist in vielen Fällen nicht offensichtlich. Rückstände reichern sich in Boden und Gewässern an und führen oftmals schleichend zu Schäden. Auch kennt die Mehrzahl der Menschen nicht die Belastung. Gibt es überhaupt eine Konzentration von Chemikalien bei uns oder auch in anderen Ländern, die hauptsächlich als Urlaubsländer bekannt sind?

Dem Thema der Nichtsichtbarkeit haben sich nun Forscher angenommen. Es ist ihnen gelungen eine Weltkarte des Risikos der Insektizid Belastung für Gewässer zu entwickeln.

Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, die Universität Koblenz-Landau haben zusammen mit den Universitäten Mailand, Aachen und Aarhus die erste Weltkarte über die Darstellung des Risikos der Belastung der Gewässer durch Insektizide veröffentlicht. Das Fachjournal Environmental Pollution veröffentlichte diese Karte in seiner neuesten Ausgabe.

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Bild: © Environmental Pollution/ Elsevier | ufz.de | Globale Risikokarte durch den Eintrag von Insektiziden in Fließgewässern.

Die Karte zeigt, dass insbesondere die Gewässer in den USA, Mittelamerika und Südostasien gefährdet sind. In Europa sind insbesondere  die Gewässer im Mittelmeerraum sind betroffen. Grundsätzlich zeigt sich ein Nord-Süd Gefälle. “Das Risiko des Eintrags von Insektenvernichtungsmittel in Gewässern nimmt in Europa, Nordamerika und Asien nach Süden hin deutlich zu, weil dort mit höheren Durchschnittstemperaturen auch mehr Insektizide eingesetzt werden”, sagt Dr. Mira Kattwinkel.

Künftig ist davon auszugehen, dass insbesondere in vielen Ländern der Südhemisphäre die Belastung der Gewässer deutlich steigen wird. Gründe hierfür sind der Bevölkerungszuwachs. Mehr Lebensmittel müssen daher produziert werden und damit ist ein Wandel der Landwirtschaft von extensiver hin zu intensiver Agrarwirtschaft verbunden. In der extensiven Landwirtschaft herrscht überwiegend starker Einsatz von Insektiziden.

Eine starke Gewässerbelastung stellt eine Bedrohung für die Artenvielfalt in den Flüssen und Bächen dar. Ziel der Forscher ist es mit der neue entstandenen Weltkarte auf die Problematik hinzuweisen und Maßnahmen voranzubringen Risiken und die Belastung zu reduzieren. Schutz- oder Pufferzonen können die  Belastung deutlich absenken. Die ersten Schritte für eine Bewusstwerdung der Problematik sind getan.

Eine Möglichkeit den Gewässerschutz voranzubringen ist nicht in Unternehmen zu investieren, die im Bereich der Agrochemie tätig sind. Das Ausschlusskriterium wird nicht von allen Nachhaltigkeitsfonds angewandt. Investmenthäuser die für eine strenge Nachhaltigkeitspolitik stehen wie Ökoworld, Safra-Sarasin oder Swisscanto gelingt es jedoch gut Unternehmen der Chlor- oder Agrochemie aus dem Anlageuniversum auszuschließen. Anleger können somit indirekt einen kleinen Teil dazu beitragen die Insektizid und Biozid Belastung der Natur zu reduzieren.

Gleichwohl wissen wir als Grünes Geld, dass es hierzu noch einen deutlich größeren Anteil nachhaltiger Geldanlagen am Gesamtvolumen der Geldanlagen bedarf. Mit 1-2% des Vermögens, welches bereits verantwortungsvoll investiert wird, ist die Welt nicht zu bewegen. Eine tatsächliche Auswirkung auf die Geschäftspolitik und ein Umdenken in den Unternehmen des Bereichs Agrochemie würde durch starken Druck seitens Investoren möglich, doch dazu ist der Anteil ethisch-ökologischer Geldanlagen insbesondere in Deutschland noch zu klein. Ein Ansporn für alle bereits anders denkende Anleger andere zu motivieren ebenfalls mehr Verantwortung für die Wirkung ihrer Gelder zu übernehmen. 

 
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Quellen:
Alessio Ippolito, Mira Kattwinkel, Jes J. Rasmussen, Ralf B. Schäfer, Riccardo Fornaroli, Matthias Liess (2015):
Modeling global distribution of agricultural insecticides in surface waters. Environmental Pollution, Volume 198, March 2015, Pages 54-60, ISSN 0269-7491,
http://dx.doi.org/10.1016/j.envpol.2014.12.016 
J.H. Spangenberg, J.-M. Douguet, J. Settele, K.L. Heong (2015):
Escaping the lock-in of continuous insecticide spraying in rice. Developing an integrated ecological and socio-political DPSIR analysis. Ecological Modelling, Volume 295, 10 January 2015, Pages 188-195, ISSN 0304-3800,
http://dx.doi.org/10.1016/j.ecolmodel.2014.05.010 
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) 2015

Über die Autorin

Carmen Junker Carmen Junker ist Gründerin der Grünes Geld GmbH und Geschäftsführerin der Grünes Geld GmbH. Carmen Junker: „Ein Grund mein berufliches Wirken speziell auf die Nachhaltige Geldanlage auszurichten ist, die Welt ein Stück positiver zu gestalten mit den Mitteln und Kenntnissen die mir zur Verfügung stehen. Aus der Verantwortung für die kommende Generation und weil ich selbst noch einige Jahre auf diesem schönen Planeten verbringen möchte“.

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